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Quelle: Electrolux 1999

Nun kommt er doch noch – der intelligente Kühlschrank

Kein plakatives Beispiel für gelebte Hausautomation hält sich hartnäckiger: Der Kühlschrank, der selbständig Butter oder Milch nachbestellt. In praktisch jeder Berichterstattung zum intelligenten Zuhause liest man irgendwas über dieses Urgestein an SmartHome-Killer-Anwendung.

Würde da nicht 13.03.1999 stehen, könnte man die damalige Pressemeldung von Electrolux auch noch zur IFA 2016 rausbringen:

The intelligent refrigerator is here. The new Screenfridge will help you with grocery shopping and dinner ideas, keep track of what you have in your fridge, and function as a message centre for the whole family.

Was ist seit dem passiert? Weder der PC-Bildschirm (heute wärs wohl eher ein iPad) klebt auf vielen Kühlschränken zuhause, noch gibt es irgendeine verbreitete Technik mit der das Teil den Inhalt inventarisieren könnte. Über irgendwelche RFID Tags, Barcodes oder Etikettenscanner könnte man ja noch nachdenken, aber woher soll er wissen, wieviel Milch noch in der Tüte drin ist? Und unsere Butter wird auch meist im Behältnis von Tupper aufbewahrt, wie soll das also bitte gehen?

Und nun stelle man sich vor, der Kühlschrank könnte erkennen, dass im Gouda-Blister nur noch eine Scheibe Vorrat ist. Dann soll eine Bestellung an den nächstgelegenen Edeka versendet werden? Und die bringen dann eine Packung Käse vorbei? Gekühlt? Und wenn keiner zuhause ist? Dann brauche ich noch eine Paket-Box mit Klimatisierung? Leute…

Mal ganz davon abgesehen: ich will doch nicht bis an mein Lebensende den gleichen Käse aufs Brot. Soll denn mein Kühlschrank für mich die Auswahl an Lebensmittelvariationen treffen?  Ist ja wohl kein Wunder, dass sich das nicht durchgesetzt hat.

Die Idee, die Fläche der Kühlschranktür für einen PC-Screen zu nutzen, geisterte auch immer mal wieder durch die Meldungen der Hersteller. Als Beispiel ein Artikel aus den Heise News vom Oktober 2002, in dem eine $ 8.000 teure Kombination aus Kühlschrank und Multimedia-PC von LG beschrieben wird. Scheint mir so, als ob das auch nicht so recht durchgesetzt hat… Für mich keine große Überraschung, wenn man die Lebenszyklen eines Haushaltsgroßgerätes mit dem von Multimedia-PCs vergleicht. Für die Kühleinheit wären die 14 Jahre bestimmt machbar, aber man stelle sich den 2002er Multimedia-PC mal in heutiger heimischer Umgebung vor.

Ich überspringe jetzt mal ein paar Jahre und komme gleich zum 2016er Stand der Entwicklung: diesmal präsentiert Liebherr den nach eigenen Angaben intelligenten Kühlschrank von morgen. Das besondere an diesem Gerät: Mit zwei fest installieren Kameras werden Fotos vom Innenraum geschossen, und zwar immer dann, wenn man die Tür schließt. Klar warum, oder? 😉

Die Fotos kann man sich danach nicht nur über einen Cloudspeicher anschauen, zusätzlich sollen per „Objekterkennung“ daraus die einzelnen Lebensmittel erfasst werden. Das Ergebnis landet in einer Inventarliste. Mit dem zusätzlichen Sprachmodul MIA („Media Intelligence Assistant“), einer kleine Säule mit Lautsprecher und Mikrophon, werden Spracheingabe weitere Informationen für die Einkaufsliste aufgenommen. Per App ist der Zugriff von unterwegs gewährleistet.

Das ganze ist nach Angaben von Liebherr in einer Kooperation mit Microsoft entstanden. Vorstellbar, dass sich bei Markstart in 2017 darin Cortana und Wunderlist erkennen lassen.

Insgesamt bleibe ich der Idee gegenüber aber trotzdem skeptisch. Die WebCam im Kühlschrank finde ich noch ganz nett (vielleicht kann ich so auch mal demjenigen auf die Schliche kommen, der immer meineJoghurts nimmt), aber Objekterkennung und geplante Kooperationen mit Lebensmittelhändlern? Ich weiß ja nicht…

About Frank Thomsen

Frank Thomsen
Schon 1999 gründete Frank Thomsen die "Hausmatic development GmbH", mit dem Ziel einen IP-basierten SmartHome Standard zu etablieren. Damals der Zeit leider zu weit voraus, musste die Entwicklung aus finanzielle Gründen nach ein paar Jahren wieder eingestellt werden. Trotzdem ist er dieser Leidenschaft immer treu geblieben, und ist seitdem u.a. als freier Berater und Autor in Sachen SmartHome tätig. Zudem ist er Geschäftsführer eines Unternehmens für die Entwicklung individueller Softwarelösungen und, gemeinsam mit einem kleinen Team, als selbständiger IT-Berater, insbesondere für Business-Anwendungen in der Apple-Welt, tätig.

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